Werthester Herr Hvas! | ||
Ich hoffe, daß diese Zeilen Sie ganz hergestellt finden, und ich bedaure sehr, | ||
5 | daß Sie mir in Ihrem letzten Briefe nicht gesagt haben, wie die Reise in Ihrem | |
bedenklichen Zustande auf Sie gewirkt hat. Was mich betrifft, so leide ich | ||
seit vier Wochen an der Grippe, und ich fürchte, die beykommende Arbeit, | ||
die Vorrede zum »Don Quixote«, hat der Influenz dieser Krankheit nicht ent- | ||
gehen können. Sie hätten dieselbe aber bereits längst in Händen, wenn mir Ihr | ||
10 | Brief nicht durch Portier- oder Briefträger-Dummheit so spät zukam, und dann | |
mußte ich den Anfang wieder ganz umarbeiten, als ich Ihren zweyten Brief | ||
erhielt, worin Sie mir melden, daß der Uebersetzer auch Viardots Bericht über | ||
das Leben des Cervantes mittheilt. Ueberhaupt aber war es mir störsam, daß | ||
ich nicht wußte, mit welchen Noten oder sonstigen Erklärungen der Ueber- | ||
15 | setzer das Buch begleitet, und daß ich nur wenige von den Holzschnitten bis | |
jetzt sehen konnte. Und doch war vieles hierüber zu sagen. Wenn Sie am | ||
Schlusse etwa Noten geben (geben Sie sie bey Leibe nicht u n t e r dem Text), | ||
so möchte ich wohl noch einige Schlußworte, eine kleine Nachrede, zum »Don | ||
Quixote« geben, und ich glaube, da Sie das Buch wahrscheinlich in Lieferungen | ||
20 | publiziren, ist dergleichen dieser Publikazion förderlich. Es versteht sich, daß | |
ich nichts dafür verlange. Da ich für solches Nachwort Zeit genug habe, so | ||
kann ich ohne Mühe in einer kleinen Mußestunde etwas Besseres schreiben | ||
als jetzt mit aller Anstrengung. Für diesen Fall dürften Sie ankündigen, daß ich | ||
das Buch mit V o r r e d e und N a c h w o r t begleite. | ||
25 | Warum ich der Brodhagschen Buchhandlung auf ihren Brief, wo sie wieder- | |
holt meine Bedingungen für die Gesammtausgabe zu kennen wünscht, nicht | ||
antwortete, warum ich wahrscheinlich mit einer anderen Buchhandlung, die | ||
mir weit unter meiner Erwartung stehende O f f e r t e n macht, aber diese | ||
Offerten g a n z b e s t i m m t m i r e n t g e g e n b r i n g t , nächstens abschließe, | ||
30 | wird Ihnen Herr Lewald erklären, und auch Sie werden es leicht begreifen, | |
wenn Sie sich dessen, was wir in dieser Beziehung hier in Paris gesprochen | ||
haben, erinnern. Befremdlich war es mir, daß in dem Brief der Brodhagschen | ||
Buchhandlung mit keinem Worte des »Don Quixotes« Erwähnung geschah | ||
– und da ich nur von Ihnen darüber Bericht und Rimesse erhielt, so schicke | ||
35 | ich Ihnen meine Arbeit und nicht der Buchhandlung, deren Personal ich nicht | |
kenne; und Sie, mein werthester Herr Hvas, bitte ich, mir den Rest des Hono- | ||
rars, 500 Franks, in einem Wechsel auf Paris recht bald zuzusenden. Ich sage: | ||
sobald als möglich, denn ich bin nicht stark bey Casse. – | ||
Februar 1837 — HSA Bd. 21, S. 185 | ||
Da ich in Ihnen einen ungewöhnlichen Scharfblick für buchhändlerische | ||
Geschäfte entdeckt zu haben glaube, auch sonstig das größte Vertrauen in Sie | ||
setze, so wünschte ich, daß Sie meiner nicht vergessen, wenn sich die Gelegen- | ||
heit bietet, in einer literarischen großen Unternehmung meine Thätigkeit und | ||
5 | meinen Namen zu benutzen. Sie dürfen überzeugt seyn, daß man mit mir | |
leicht fertig wird. Vielleicht schreibe ich Ihnen nächstens über ein Unternehmen, | ||
wobey Ihre Einsicht mir vielleicht von großem Nutzen seyn kann. Mit I h n e n | ||
möchte ich gern in Geschäftsverbindung bleiben. Die Brodhagsche Buch- | ||
handlung ist für mich eine unbekannte Größe, und ich kann kein Geschäft | ||
10 | machen, wenigstens keins, wo die höchsten Interessen auf dem Spiele stehen, | |
ohne die Personen zu kennen. Jedenfalls bitte ich Sie aber, sobald Sie mir über | ||
die definitive Gestaltung dieser Buchhandlung etwas Genaues sagen können | ||
oder dürfen, es gelegentlich nicht zu unterlassen; auf Diskrezion dürfen Sie | ||
rechnen. | ||
15 | Leben Sie wohl, schreiben Sie mir bald, schicken Sie mir bald Geld, und | |
wenn der Druck des Buches beginnt, schicken Sie mir die ersten Aushänge- | ||
bogen. Auch sagen Sie mir genau, wie lang der Druck dauert, damit ich mich | ||
darnach richte für den Fall, daß Ihnen mein Vorschlag einer Nachrede zu- | ||
sagt. | ||
20 | Ihr hochachtungsvoll ergebener | |
H e i n r i c h H e i n e . | ||