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   er im Ms. noch nach, sie sei in jenem Alter wo der Geist noch willig aber
   das Fleisch sehr mürbe u runzlicht ist, und was ihr Busen an Festigkeit ein-
   gebüßt, das habe er an Gewicht gewonnen. Das reduziert Heine dann
   dahingehend, die gute Frau habe an Gewicht zugenommen, was sie an
5  Jugend verloren. Andererseits sind aber die unterdrückten Wörter und
   Sätze in den Arbeitsmanuskripten nicht gestrichen.
  __Da jedoch das Morgenblatt bei den im November 1829 abgedruckten
   Italienischen Fragmenten, wie Heine später moniert, ziemlich radikal zen-
   sieren sollte (HSA XX, 367), ist anzunehmen, daß auch schon die Reise
10  nach Italien im ersten Morgenblatt-Druck einer ähnlichen Durchsicht
   unterzogen worden ist. Hermann Hauff, der nach dem Tod seines Bruders
   Wilhelm im November 1827 Redakteur des Blatts geworden und beson-
   ders für die tägliche Korrektur zuständig war, dürfte auch hier – wie in
   vielen anderen Fällen belegbar – relativ eigenmächtig mit Heines Manu-
15  skript umgegangen sein (vgl. Sabine Peek, Cottas Morgenblatt für gebil-
   dete Stände, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens, 6, 1966, Sp.
   1427ff.). Heines Begleitbrief zu einer weiteren Sendung an Cotta zeigt,
   daß er nach den Erfahrungen mit dem ersten Abdruck mißtrauisch gewor-
   den ist: Indem ich Ihnen beyliegend etwas Italienisches, wie Sie zu haben
20  wünschten, für das Morgenblatt schicke, hoffe ich, daß Sie nichts anstößi-
   ges drin finden mögen, indem es das Gemäßigste ist was ich geben kann
   und ich deßhalb schon gegen die gringste Verstümmelung protestiren muß.
   Ist der unverkürzte, unverkümmerte Abdruck nicht möglich, so bitte ich mir
   das Manuskript unter Varnhagens Addresse zurückzuschicken (7. Juni 1829;
25  HSA XX, 360).
  __Die öffentlichen Reaktionen auf die Reise nach Italien waren nicht sehr
   zahlreich, aber dafür ausgesprochen heftig. Die von wem auch immer
   durchgeführte Zensur war insofern erfolgreich, als die Kritik über die ent-
   schärften Passagen hinwegsah. Anstoß erregten dagegen die despektierli-
30  chen Kapitel über Tirol und seine nicht gerade sehr positiv dargestellten
   Bewohner. Vor allem empörten Heines Spott über den bodenständigen
   Patriotismus und seine saloppe Bemerkung, die Farben der kaiserlichen
   Hosen hätten die Tiroler zum Aufstand bewegt. Wie schon bei der Schrift
   Ueber Polen reagierte die lokale Berichterstattung am schärfsten. Der
35  Kaiserlich Königlich privilegirte Bothe von und für Tirol und Vorarlberg
   veröffentlichte am 5. Januar 1829 den ersten Teil einer vierteiligen Rezen-
   sion (S. 8, 12, 16, 20), die von dem Redakteur des Blattes, Johannes Schu-
   ler (1800–1859), gezeichnet ist, einem promovierten Juristen, der ab 1828
   als Redakteur für diese Zeitung tätig war. Als das Intelligenzblatt der-
40  selben Zeitung am 11. August in der Liste der Besucher Innsbrucks auch
   gemeldet hatte: Herr Heine, Doktor der Rechte aus Düsseldorf (vgl. dazu
   Wilhelm Baum, Heinrich Heine und Tirol, in: Der Schlern 44, 1970, S.
   146–151), konnte freilich noch niemand ahnen, in welcher Form sich die-
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